Good Times Roll

Cinelli hat den Store mit einigen frischen Caps bestückt. Als Sponsor der diesjährigen ECMC in Kopenhagen darf natürlich das offizielle Event Cap nicht fehlen. Des weiteren gibt es Designs von Russ Pope, den Street Kings aus NYC oder ein klassischeres Design zur Eroica in Gaiole. Also bestimmt für jeden was passendes dabei. Alle Caps im Überblick findet ihr hier.

 

 

Eroica. Ich vermute der ein oder andere hat bereits einmal von diesem Event gehört. Eine Ode an die “alte” Zeit, in der man in Baumwoll Trikots und Hosen auf Rennrädern bis 1987 an den Start geht. Ob alleine oder im Team ist dabei völlig egal, ebenso für welche Streckenlänge man sich entscheidet. Der Radavist, die Spoke und auch Juliet Elliott haben bereits darüber berichtet. Ursprünglich in Italien beheimatet, gibt es mittlerweile Eroicas in Kalifornien, Japan, Süd Afrika, Uruguay, Spanien, England und in diesem Jahr eben auch in Holland. Dank einer Einladung und einem aufgrund des schlechten Wetters etwas kurz ausgefallenem Familienurlaub, war ich also in diesem Jahr Teil des Eroica Events und des Brooks Teams.  Start/Ziel war in Valkenburg, einem 16.000 Seelen Ort, unweit von Maastricht. Bekannt durch mehrere Weltmeisterschaften, dem Amstel Gold Race und dem Cauberg. Gemessen an dem Original in Italien war das Event mit rund 600 Startern eher “übersichtlich” gehalten, aber ich bin mir sicher dass sich das im kommenden Jahr ändern wird. Für Liebhaber und Fans von Vintage Fahrrädern und Teilen bietet die Expo Fläche einfach alles was das Herz begehrt. Eddy Merckx, Peugeot und Moser Räder, alte Trikots, Handschuhe und Trinkflaschen, Startnummern, Laufräder……. So könnte man die Liste ewig fortführen. Ebenso anschaulich sind aber auch die Starter, von den wirklich die meisten bis ins kleinste Detail alles auf dieses Event bestimmt hatten. Rädern, exakt so aufgebaut wie man sie damals im Katalog vorfand, passend dazu die Trikots und Verpflegungsbeutel.

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Treffpunkt für das obligatorische Gruppenfoto war Sonntag um 9 Uhr am Startpunkt in Valkenburg unweit unseres Hotels. Auf unseren von Gloria Days zur Verfügung gestellten Rädern und den Brooks Vintage Outfits, fühlte man sich innerhalb von wenigen Metern komplett in der Zeit zurück versetzt. Nach den Foto und einem Espresso ging es auch direkt los. Wir hatten uns in einer 8 köpfigen Gruppe dazu entschlossen die 100km Distanz zu fahren. 60 erschien uns zu wenig um die Region kennenzulernen und 160 war dann vielleicht doch zu viel um das ganze relaxt anzugehen. Schon der Start war unvergesslich, kaum hatten wir die Altstadt verlassen ging es durch ein altes Tunnelsystem durch einen der Kalksteinberge, mit Leuchtröhren und ABBA Musik. Surreal aber beeindruckend, ebenso wie der unmittelbar im Anschluss kommende Cauberg. 800 Meter lang und 60 Meter hoch eine tolle Übung um warm zu werden, waren wir doch auch nur auf alten Stahlrädern mit Rahmenschaltung und weichen Pedalkäfigen unterwegs. Und um es bereits an dieser Stelle einmal vorweg zu nehmen, Holland hat Berge! Auf unseren 100km haben wir an diesem Tag 1296 Meter an Höhe gemacht! Auf der Route befanden sich 2 Verpflegungspunkte bei km 30 und 60. Die ersten 30km waren mehr oder weniger ein “Kinderspiel”. Das Tempo in der Gruppe war moderat, das Wetter gut, die kleinen Wald und Schotterwege alle gut befahrbar und auch die Anstiege ließen sich gut bewältigen. Deshalb wollten wir auch garnicht allzulange Pause machen. Jeder eine Suppe, Kaffe oder Saft, die Trinkflaschen aufgefüllt, den Stempel geholt und wieder ab auf die Räder. Und siehe da, keine 700 Meter weiter der erste fieser Anstieg, wir befanden uns jetzt in Belgien. In Belgien sind die Anstiege gefühlt steiler und länger, hier machten sich auch die unterschiedlichen Fitnessgrade bemerkbar, sodass wir uns in 2 Gruppen aufteilten. Ähnlich wie auch in Schweden wechselten sich Anstiege und Abfahrten für die nächsten 35km ab, wobei man die Abfahrten nicht ganz so genießen kann, da die Bremsperformance der alten Boliden eher als “abenteuerlich” einzustufen war. Der größte und längste Anstieg endete direkt am zweiten Verpflegungsstop bei Sippenaeken. Wer mochte konnte sich hier schon ein Bier gönnen, wir beließen es bei Kuchen und Espresso.

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Weiter ging es zum Dreiländereck Holland/Belgien/Deutschland an welchem wir ( ein Deutscher, ein Portugiese und 2 Engländer ) natürlich ein Foto machen mussten, die Gelegenheit bekommt man ja nicht alle Tage. Ein kurzer Abstecher durch Deutschland und bei der Bocholterzerheide wieder nach Holland. Die nächsten 20 Kilometer regnete es mal mehr, mal weniger stark, sodass die vielen Feldwege sich in allerfeinste Matsch-Trails verwandelten. Da mein 1964er! Freddy Grubb, bestückt mit 30mm Crossreifen, quasi der Urtyp eines Gravelbikes war, hatte ich an den meisten Passagen allerdings kaum Probleme. Um ehrlich zu sein habe ich mich in dieses Rad verliebt. Der B17 Sattel ist ein “Rennsofa”, die Gabel federt alle Unebenheiten weg, die Geometrie war pures Wohlfühlen, lediglich der Lenker war zu schmal. Mal sehen ob dieses Rad nicht doch noch den Weg zu mir finden wird. Gute 20 Kilometer vor dem Ziel holten wir den anderen Teil unserer Gruppe aufgrund von Platten wieder ein und beschlossen den restlichen Weg gemeinsam zu absolvieren. Die Sonne kam wieder raus und mit ihr Heerscharen von Wanderern. Nach 5 Stunden und 7 Minuten sollte das Abenteuer Eroica dann bei Blasmusik und bestem Wetter für uns alle beendet sein.

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Mein Fazit zur Eroica. Ein durch und durch tolles Event. Super organisiert, nicht nur für Fahrrad Freaks. In dieser Form habe ich radfahren zuvor nie erlebt und kann es nur jedem empfehlen einmal an seinem Event teilzunehmen. Klar, an die Rahmenschaltung und das Fahrverhalten muss man sich gewöhnen und es ist anstrengend aber der Spaß und das Vintage Erlebnis übertrifft vieles. Wer weiss vielleicht wird es ja mal was mit dem Original in Italien und dann gut 5.000 Startern, gerne wieder auf dem Freddy!

Beitragsbild: Paolo Martelli

Text & Gallery: Chris

Text + Fotos: Nils Schäfer

Gravel ist nicht gleich Gravel!

Am Wochenende haben wir uns mit unseren Ritte Snob Rennrädern (zur Vorhebung später mehr) zum Bodensee Gravel Giro begeben. Wir, das waren Sam und ich (Nils) sowie Hendrik (von Sir-Pete), der mit seinem Rad aus dem 235 Kilometer entfernten Groningen gekommen war, um uns an den Bodensee zu begleiten. Für ihn war also die Fahrt aus Holland nach Bochum eine willkommene Übung, da er in zwei Wochen am Transcontinental Race teilnehmen wird.

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Da wir in diesem Jahr schon die Dalsland Runt mit insgesamt über 180 Kilometern Gravelanteil weitgehend ohne Probleme überstanden hatten, dachten wir während der Anmeldung im Frühjahr, dass wir mit einigermaßen engagierten Auftreten und 28mm VeeTire Bereifung, die Schotterwege vom Bodensee schon irgendwie meistern würden. Dachten wir! Tage zuvor waren wir zwar schon gewarnt worden, nicht mit schmaleren Reifen als 32 mm an den Start zu gehen, da unser Ritte Snobs jedoch nur höchstens 28 mm zuließen und wir auf die Schnelle keine Gravel-, Endurance oder Crosser-Rahmen besorgen wollten, reisten wir also mit unserer schmaleren Bereifung nach Ravensburg, wo der Gravel Giro starten sollte.

Die Wetteraussichten waren hervorragend. Viel Sonne und Temperaturen von knapp über 20 Grad waren angesagt. Als wir am V-Pace-Laden ankamen, begegneten wir tatsächlich vielen Teilnehmern mit besagter querfeldeinfähiger Bereifung. Überall wo man hinsah, gab es breite Felgen, Reifen und zum Teil auch mit sehr viel Profil. Unsere Reifen wirkten dagegen lächerlich schmal.

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Nach dem Briefing ging es sofort los und schon befand sich das Grupetto auf der vorgesehenen Route, die zum Teil auch am Bodensee entlang führen sollte. Die Gruppe war ein bunter mix aus vielen neuen und einigen bekannten Gesichtern. Sogar Stefan, einer unserer treuesten Leser, war extra aus dem hohen Norden angereist! Der erste Anstieg bestand erstmal aus einer Treppe und alle durften ihre Räder über gut zwanzig Höhenmeter aufwärts tragen. Danach ging es weiter tatsächlich über sehr grobe zweispurige Gravelpfade. Mich ereilte schon nach weniger als 10 Kilometern der erste Plattfuß. „Na super“, dacht ich mir, “wenn das so weiter geht, verbringe ich den Tag mehr mit Reifen wechseln und Pumpen, anstatt mit Fahrrad fahren.“ Am liebsten hätte ich mich gleich verabschiedet und auf eine eigene Straßenroute gewechselt. Aber letztendlich will man ja doch, dass man das Vorgenommene auch durchzieht. Gut dass der Reifen unverzüglich gewechselt und – Sams neuer Rahmenpumpe sei dank – auch schnell mit ausreichend Luft befüllt war.

Die weitere Tour erwies sich zwar als äußerst interessant, jedoch für schmale Bereifungen als wenig geeignet. In Schweden waren die meisten Gravelwege sehr breit und grade gewesen und die Steigungen trocken. Außerdem wechselte dort oft der Straßenbelag von Gravel auf Asphalt. Der Asphaltanteil war insgesamt in Schweden wesentlich größer gewesen, so dass die Teilnahme mit einem Rennrad noch zu vertreten war. Am Bodensee gab es häufigere Wechsel von Gravel-, auf Waldwege oder matschige Mountainbike- und Singletrails. Manchmal führt die Route auch direkt über eine Kuhwiese, wenn man einen Limbo unterm Stromzaun vollführte. Das ab und an die ganze Gruppe absteigen musste, weil die Wege selbst für Crosser nicht mehr zu passieren waren, darf dabei nicht unerwähnt bleiben. Auch ein kurzer aber supersteiler Anstieg über Asphalt war darunter, bei dem so mancher der Steigung Tribut zollte und abstieg. Meine Lieblingspassage war eine solche, auf welcher der Wegesrand entweder von dichten Brennnesseln oder einem Stromzaun gesäumt war. So stelle ich mir übrigens auch japanische Spielshows vor, in welchen die Kandidaten zur Belustigung des Publikums leicht schmerzhafte Strafen erleiden müssen. Der Gravel Giro war eher als Adventure-Tour geplant worden. Gravel heißt also nicht nur ein paar Schotterwege am Waldesrand entlang zu fahren, sondern jegliche Untergründe, die in der Natur so vorrätig sind. Schön für alle, die sich auf querfeldein eingestellt hatten.  Mit unseren Rennrädern fehlte es einfach an Grip und Stabilität und häufig war insbesondere bei mir das Dranbleiben die oberste Devise. Vielleicht muss ich ab und an mal an meiner Querfeldein Technik feilen.

Bei Kilometer 40 geschah es dann. Auf einem Teilstück befuhr ich zu Beginn das weichere, mit Gras bewachsene Feld neben dem Schotter. Als ich dann versuchte zurück zu wechseln, übersah ich den durch das tiefe Gras getarnten Höhenunterschied, kam aus dem Gleichgewicht und schlug auf dem Gravel auf. Da ich nun aus Unterarm, Hand und Unterschenkel blutete und ich auch den Lenker nicht mehr sauber greifen konnte, entschied ich mich den Heimweg über den gewohnt sicheren Asphalt anzutreten. Obwohl wir normalerweise zusammen fahren, sollten Sam und Hendrik dagegen weiter fahren.

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Die beiden, die dann am Ende den Gravel Giro zu Ende fuhren, würden ebenfalls wie ich nicht noch einmal mit normalen Rennrädern daran teilnehmen. Richtige Gravel-Bikes scheinen am Ende dann doch den idealen Komfort und die Stabilität, die man für das vielseitig wechselnde Terrain benötigt, zu bieten. Das Fahren hat zwar Spaß gemacht, am Ende hatte man doch das Gefühl, sich zu sehr auf das Fahren konzentrieren zu müssen. Gravel ist nun mal nicht gleich Gravel! Die Strecke und die Natur erwiesen sich als einmalig schön. Gerade die Abwechslung im Untergrund sowie die ausgesuchten Wald- und Feldwege sprechen stark für eine gut durchdachte Routenplanung. Zu empfehlen ist eine Teilnahme am Gravel Giro im nächsten Jahr auf jeden Fall. Dann aber mit deutlich besser geeigneten Arbeitsgerät!

 

Text: Chris
Fotos: Chris / Montell / Nils

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Im Dezember 2015 brachte ein Instagram Foto meines Kumpels Jon den Stein ins Rollen. Darauf zu sehen war Natur und eine Gruppe Radfahrer. Darunter der Text dass er sich jetzt schon auf eine Wiederholung freuen würde. Da wir noch keine konkrete Idee hatten was für 2016 so anstehen soll frug ich wo das sei und was das für ein Trip war. Seine Antwort war kurz und knapp ” Dalsland Runt” und “come and join me”. Google konnte mir nicht direkt weiterhelfen, aber bei Facebook wurde ich fündig und nach kurzem Kontakt mit Johann (Mitglied des Schwedischen Rapha Cycle Clubs), einem der Organisatoren, war klar, ICH MUSS DA HIN! Als absoluter Skandinavien Fan war ich wirklich direkt heiß auf den Trip, 3 Tage Schweden auf dem Bike mit rund 100 anderen Menschen aus aller Welt. Die Jungs brauchte ich auch nicht wirklich überzeugen, die Anmeldungen waren innerhalb von 15 Minuten bei allen getätigt.

Was hatten wir im Vorfeld alles darüber gehört. 2015 mehr als schlechtes Wetter, 7°, Dauerregen, ohne ende Gravel, Natur, Passagen auf denen das Rad 20 Minuten durch den Wald getragen werden musste, Erschöpfung, Hunger, Materialschlacht…. Aber egal mit wem wir darüber sprachen, in einem Punkt waren sich alle einige, “es ist einfach nur geil und mehr als lohnenswert!” Im Mai sollte es losgehen, also gute 5 Monate mich darauf vorzubereiten. Was hatte ich mir nicht alles vorgenommen. Trainieren, endlich mal an meiner Ausdauer arbeiten, fitter werden, vor der Tour auch mal 120+ Touren machen. Was war daraus geworden? Nix ! Von Januar bis 2 Tage bevor es losgehen sollte hatte ich knapp 700km auf dem Fahrrad zurück gelegt. Krank, arbeiten zu wenig Zeit. Astrein, mussten wir doch lediglich minimum rund 400km auf Gravel, von Freitag Nachmittags bis Sonntag Nachmittags zurücklegen. Dazu sollte mein Ritte Snob Rahmen nicht rechtzeitig ankommen, lediglich Sam bekam seinen Rahmen für den Trip rechtzeitig zusammengebaut, jedoch konnte er diesen nicht einmal vorher probefahren. Basti und Nils konnten ihre vorhandenen Rennräder mitnehmen, dankbarer Weise stellte mir ROSE innerhalb kürzester Zeit ein Rose PRO DX Cross zur Verfügung.

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Mittwoch Mittag begann unser #wearegoingsweden Trip. Den Bus mit Rädern, Camping Equipment, Essen, Klamotten und allem was man sonst so benötigt vollgepackt und ab Richtung Norden. Aufgrund der Tatsache dass wir erst um 14 Uhr loskamen, am Donnerstag ein Feiertag war und gefühlt alle deutschen Autobahnen lediglich aus Baustellen bestehen, dauerte es rund 8,5 Stunden bis wir an unserem ersten Ziel, der Öresund Brücke in Schweden angekommen waren. Zelte aufgebaut, ein schnelles Bier, pennen. Der nächste morgen begann um 7 Uhr mehr oder weniger fit, aber der Ausblick entschädigte und sämtlich, bis dahin angefallener Stress war vergessen. Wir hätten da noch ewig stehen können, entschlossen uns dann aber doch den Wagen zu packen und wie geplant zu einem guten Kaffee bei Musette nach Malmö rein zu fahren. Ein wirklich kleiner, aber wie fast alle Läden in Malmö, stylischer Laden mit feiner Kaffee Bar und übersichtlichem Sortiment. Wie sich rausstellte, packten die Jungs auch gerade ihren Van um am nächsten Tag in Richtung Värnersborg zum Start der Dalsland Runt aufzubrechen. Nach einem kurzen Smalltalk ging es für uns weiter nach Göteborg, wollten wir die zur Verfügung stehende Zeit doch sinnvoll nutzen und ein wenig Land und Leute sehen. Nach einem wirklich guten und garnicht so teuren Burger ging es für uns auch hoch nach Värnersborg. Johann hatte uns eine Stelle zum campen empfohlen die besser nicht hätte sein können. Inmitten der schwedischen Natur an einem riesigen See, Postkarten Atmosphäre, Lagerfeuer Romantik. Meine Fresse wie geil war das denn. So genossen wir den Abend, bereiteten die Räder vor und relaxten am Lagerfeuer bei Bier und Whiskey (perfekte Vorbereitung).

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Freitag der Tag an vorerst Schluss war mit entspannen. Am frühen Nachmittag fanden wir uns am Startpunkt, einem kleinen Cafe, in Värnersborg ein. Im Minuten Takt versammelten sich immer mehr Teilnehmer und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Teilnehmer aus Portugal, Korea, England, Norwegen, Dänemark, die meisten davon von Kopf bis Fuß im feinsten Rapha Dress auf Rädern für die man sonst zur Berliner Fahrradschau oder zu einer Bespoke Messe fährt. Was ist denn hier los? Festka, Kocmo Titan aufbauten, Victoire Räder, high end Specialized und Trek Rahmen bestückt mit Chris King Parts und Carbon Laufrädern! Die Stimmung war mehr als entspannt, keine Spur von Nervosität obgleich der bevorstehenden 105km mit knapp 1000 Höhenmetern raus in die Wälder der Region Dalsland. Eine Stunde später als geplant wurde gestartet, es sollte kein Rennen werden, Groupride war angesagt. Keine 10 km später, 43er Schnitt im Pulk, mit 100 anderen, ist klar Groupride, entweder sind wir bei weitem nicht so fit wie die Skandinavier oder die haben einfach eine andere Auffassung von Groupride. Sam verlor auf dem ersten fieseren Gravel Segment eine Trinkflasche wodurch wir den Anschluss an den “fast train” verloren und uns auf die Verfolgung machten. Keine Chance, zumal mein Rad nicht perfekt eingestellt war und ich das Tempo auch unmöglich hätte durchgehend fahren können. Einige Kilometer weiter sammelten wir Seungho vom Far Ride Magazin auf, der kleine Koreaner war dem Speed ebenfalls nicht gewachsen. Tausend Dank an Sam, der sich immer wieder hat fallen lassen um mich an unsere 6 Mann Gruppe ranzuführen. Die Jungs haben wo es ging versucht mich aus dem Wind zu nehmen und mich immer wieder gepusht. Nach rund 4 Stunden entlang der Seen, kleinen Ortschaften, über Gravel, gut asphaltierte Straßen und dem ein oder anderen echt diesem Anstieg, kamen wir an unserem Quartier für die nächsten 2 Tage an. Inmitten der Wälder lag ein kleines Feriendorf. 5 Rote Holzhäuser mit je 10 4 Bett Zimmern, ein Dusch und Sauner Haus, ein großes Gemeinschaftshaus mit Küche. 85% aller Teilnehmer waren bereits vor Ort, ein Großteil sogar bereits geduscht und umgezogen. Ein Großteil hatte die Strecke in unter 3 Stunden zurückgelegt und war vom Start an ein durchgeballert. Während ich erleichtert war es irgendwie geschafft zu haben, standen die meisten bereits freudestrahlend rum und bestaunten die aufgereihten Räder. Mir tat alles weh und das sollte erst der Anfang gewesen sein. Duschen, essen, schlafen um es irgendwie am nächsten morgen wieder um 7.30 Uhr zum Frühstück zu schaffen.

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Der nächste morgen begann garnichtmal so schlimm wie gedacht. Guter, erholsamer Schlaf und vermutlich auch MucOffs Recovery Balsam verhinderten schlimmeren Muskelkater. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet mich bewegen zu können. Das erwartete Frühstück viel leider recht spärlich aus. Komisches Weissbrot mit Marmelade oder Porridge und eine Tasse Kaffe. Hm, um ehrlich zu sein hatte ich etwas mehr erwartet, auch gab es keine Bananen o.ä. zum mitnehmen für den Tag. All dies mag daran liegen dass die beiden Köche der Anlage krankheitsbedingt fernblieben, aber etwas ernüchternd war das schon. Nach dem Frühstück hies es Räder und Trikots vorbereiten, galt es doch heute entweder 165km mit 2010 hm oder 235km mit 3158hm zu “überleben”. Für Basti und mich war die Sache klar, die “kurze” Runde reicht vollkommen aus, Sam und Nils wollten es wissen und wagten sich an die große Runde. Noch nie hatte ich 165km an Strecke bewältigt und konnte mir unter der Angabe der Höhenmeter auch nichts vorstellen. Als wir allerdings nach 15km bereits 250hm auf dem Display stehen hatten, wurde mir bewusst was das heute für ein Tag werden sollte. Auch der Gravel Anteil war heute von Beginn an deutlich größer als am Vortag. Zum Glück haben wir nach gut 35km unsere #pizzahillclimbteam Gruppe mit Lian aus Holland, den Ass Savern und 2 weiteren Leuten gefunden und beschlossen gemeinsam den Tag zu bestreiten. Wirklich flach wurde es so gut wie nie, Abfahrten wechselten sich mehr oder weniger umgehend mit Anstiegen zwischen 5%-8% ab. Autos hatten wir bis dahin vielleicht 5 gesehen daher war es umso erstaunlicher, dass wir, sofern es auf Asphalt vorwärst ging, auf wirklich gut ausgebauten und top asphaltierten Straßen fahren konnten. Ebenfalls erstaunt waren wird von der “German Bakery” inmitten von nichts. Da alle Teilnehmer, egal ob lange oder kurze Runde an der Bäckerei vorbeikamen, war die Auswahl für uns schon arg limitiert, da bereits 75% aller Starter sich mit Backwaren und belegten Brötchen eingedeckt hatten. Ein Puddingteilchen und eine Cola sollten bis zur heutigen Verpflegungsstation bei km 75 reichen. Die Gravel Segmente mehrten sich, der Schotter wurde immer gröber und so ließen die ersten platten Schläuche nicht lange auf sich warten. Bis zum nächsten Stop waren es 3 an der Zahl, die Gruppe half sich untereinander, wartete gemeinsam und die Stimmung war gut. In der letzten Kurve vor dem Verpflegungs Stop nahm Basta auf der Abfahrt noch eine schwedische Bodenprobe, zum Glück ohne weitere Folgen. Am Stop wurden die Trinkflaschen aufgefüllt und der ein oder andere Chimpanzee Riegel verdrückt bzw in die Trikot Taschen gepackt, jedoch beschlossen wir 15 km weiter in den nächsten Ort zu fahren um uns eine ordentliche Pizza zu gönnen. Also wieder auf die Räder und los ging’s, vorbei an weiteren unzähligen See, jeder einen Stop und ein Foto wert. Die Beine wurden schwerer, jeder kämpfte, die Vorfreude auf die angekündigte Pizza hätte nicht größer sein können. Der Ortseingang lag an einem kleinen Stauwehr, daneben eine alte Manufaktur. Zwei ältere Männer saßen angelnd am Wehr, die Frauen unterhielten sich auf einer Bank daneben. Staffan frug nach einem Restaurant/Pizzeria, die alten Leute schauten sich fragend an und lächelten nur. Nix Pizza !!! In diesem Ort gab es nichts wo man hätte essen kaufen könne, das war kurzzeitig mehr als ernüchternd. Also das Handy bemühen. An dieser Stelle eine Frage: TELEKOM, VODAFONE, O2 und wie ihr alle heißt, wie kann es sein dass ich mit einem deutschen Handyvertrag im Ausland, in der absoluten Pampa, perfekten Empfang und Highspeed Internet habe, aber sobald man mit dem Auto hinter Hannover oder so unterwegs ist, man sein Handy maximal noch zum Fotos machen nutzen kann? Egal, Staffans Handy sagte und dass in 45km eine Pizzeria liegen würde und wir dazu nichteinmal unsere Route verlassen müssen. 45km ! Zu diesem Zeitpunkt kamen wir über einen 24er Schnitt nicht raus, also von jetzt an noch gute 2 Stunden und unzählige Hügel. Alle 5km wurde kurz gestoppt, da beinahe jeder Anstieg die Gruppe sprengte. Wir kramten alles an Riegeln, Süßigkeiten und Nüssen aus den Taschen und jeder nahm was er brauchte. Wirklich auf der letzten Rille kamen wir an der Pizzeria an, an der bereits rund 40 andere Teilnehmer saßen. Kaum einer war so ausgelaugt wie wir und so ist es kaum verwunderlich dass dies die vermutlich beste Pizza der Welt für uns war! Nach einer guten Stunde relaxen und verdauen sollte es zum finalen Abschnitt für diesen Tag gehen. Auf den letzten 24km galt es noch einmal 380hm zu bewältigen, wo bei der Endgegner kurz vor Schluss auf uns wartete. Wie schon den ganzen Tag arbeitete die Gruppe wirklich hervorragend zusammen aber am letzten Anstieg des Tages war mehr oder weniger jeder auf sich gestellt. Es ging auf sehr groben Schotter in den Wald zu einem 1100 Meter langem Anstieg mit 7%-14%. Während sich einige hinauf quälten beschlossen Lian und ich einfach abzusteigen und die Räder da hoch zu schieben. Die Beine wollten einfach nicht mehr. Oben angekommen sollte es auf der Rückseite des Hügels auf ebenfalls sehr groben Schotter die selbe Länge wieder runter gehen, da ich einfach nur nich irgendwie ins “Ziel” kommen wollte hieß es Bremsen auf, Kette rechts und die Kuh mal ordentlich fliegen lassen. 55km/h standen am Ende für diese kleine “Freeride” Einlage auf dem Display, das war zum Ende hin dann nochmal ein kleiner Adrenalin Kick. Insgesamt waren wir rund 10 Stunden unterwegs, wovon gute 3 Stunden für Pausen drauf gingen. Überglücklich obgleich der geilen Gruppenleistung genossen wir auf der Wiese vor unserer Unterkunft noch ein Bier und dann ging es ersteinmal in die Sauna. Dass es wieder einige Fahrer gab, die sogar die große Runde gefahren sind und freudig strahlend eine Runde Fußball spielten als wir völlig fertig ankamen, lasse ich mal als Randkommentar so stehen. Am Abend gab es ein Curry, was Ricky, Johann und all die Helfer für alle gezaubert hatten. 6 Portionen habe ich mir davon geholt, weil es so unfassbar lecker war und ich anscheinend etwas Hunger hatte. Bei Curry und Bier haben wir das Erlebte des Tages mit anderen geteilt und warteten auf Sam, Nils und Manuel, die um 10 Uhr Abends noch immer nicht wieder zurück waren. Die Jungs kamen echt spät, Sam musste sogar mit dem Auto abgeholt werden, da er 8 Platten hatte und dabei 3 Mäntel zerlegt hat. Zwischenzeitlich hatten die Jungs noch eine Fähre verpasst und Nils und Manuel mussten ohne Licht die letzten 30km durch die Wälder und Gravelpassagen zurück zu den Hütten finden.

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Am Sonntag fing es morgens um 6 Uhr an zu regnen, so stark dass wir davon wach wurden. Bereits am Vorabend hatte ich gemerkt dass irgendetwas mit meinen Knien nicht stimmt. Die Knie waren dick und richtig warm. Ist was kaputt gegangen? War die Sattelhöhe nicht korrekt? Überbeansprucht? Ich denke eine mehr oder weniger eine Mischung aus allem, nichts ging mehr, ich konnte die Knie nicht beugen, aufstehen war nur unter Schmerzen möglich, Treppen laufen nur bedingt machbar. An den heutigen Rückweg über 105km mit dem Rad war nicht zu denken. Auch den Jungs war die Anstrengung der letzten Tage deutlich anzusehen und der anhaltende Regen ließ die Vorfreude nicht zwingend steigen. Aufgrund der Materialschlacht von Sam beschlossen wir dass Basti mein Rose fährt, Sam bekommt Bastis Mäntel plus ein Ersatz Mantel und ich fahre mit einem der Begleitfahrzeuge zurück. Gesagt getan. Die Fahrer starteten jeder wie er wollte, ich half soweit ich konnte mit die beiden Autos und Anhänger zu beladen. Etwas später als gedacht verließen wir die Anlage. Auf dem Rückweg mussten wir noch einen Fahrer aufgrund von Materialschäden einsammeln. Von da aus ging es zurück nach Värnersborg. Während der Rückfahrt erzählte mir der Dude, dass er hier in der Ecke jedes Wochenende zu seinen Schwiegereltern zum Kaffee und Kuchen fährt und danach zurück. Auf meine Frage ob er denn hier aus der Region komme meinte er nur “ne sind knapp 240km pro Strecke” !!! Alter Schwede…… Der Treffpunkt in Värnersborg war eine Pizzeria. Als ich die davor geparkten Räder sah, wusste ich dass der Rückweg heute kein Zuckerschlecken war. Die Bikes und die Jungs hatten eine ordentlich Fangopackung bekommen, dazu noch Regen über 50% der Strecke. Das war hart, daher hatten wir auch alles in allem keinen Stress das Auto für den Rückweg zu beladen. Bis auf bei Manuel, konnten wir uns eigentlich bei keinem richtig verabschieden, schade eigentlich.

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Ich denke das soll es dann auch gewesen sein. Dalsland Runt, eine Ausfahrt in schwedischer Postkarten Idylle, die einem aber auch einiges abverlangt. Coole Menschen, keine Allüren, kein Racing, einfach gemeinsam Radfahren und Menschen kennenlernen. Der ein oder andere war vermutlich etwas erstaunt dass eine Horde “Fixedgear Dudes” mit Rennrädern, mehr oder wenig untrainiert mitfahren wird, aber wir haben es geschafft und hatten Spaß. Nächstes Jahr steht die Runde für mich auf jeden Fall wieder fest im Programm, dieses Mal etwas besser vorbereitet und dann auch 3 Tage auf dem Rad ! Danke Jungs fürs mitmachen, danke an Johann, Ricky und den Rest der Leute die das alles organisiert haben, danke an das #pizzahillclimbteam top zusammenhalt und danke Jon für den Tip ! Im folgenden findet ihr eine kleinere Galerie aus analogen Bildern. Auf Facebook gibt es in den nächsten Tagen alle Fotos gebündelt.

 

Bunte Farben, funktionale Stoffe, Slack Lines, entspannte Menschen, Podiums Vorträge, Camping, Bouldern, Trailrunning, Neuheiten und Trends. All das ist die #OutDoorFn Messe am Bodensee. Da ich teils beruflich, teils für den Blog vor Ort war, blieb garnicht soooo viel Zeit mir all die “Neuheiten” und “Innovationen” in Ruhe einmal anzusehen. Patagonia war nicht nur mit einem schönen Messestand vor Ort, sondern auch mit einem Truck ihrer “Worn Wear Tour“, an dem man defekte Patagonia Bekleidung abgeben konnte, welche dann vor Ort repariert wurde. Brooks war vor Ort und hatte 3 limitierte Räder anlässlich des 150 Jährigem Jubiläums dabei. Jede Menge Brands bringen immer mehr leichtes und super kompaktes Camping und Outdoor Material raus, was natürlich ideal für BikePacking Trips ist. Sehr cool waren die Hammocks von Eno und auch der von #OBN organisierte Blogger Walk Around war durchaus interessant. Am Stand von Millican konnte man es sich mit einer Tasse Kaffee oder Tee gemütlich machen und im Boneshaker Magazin blättern. Direkt nebenan war der Stand von Langbrett. Tolle Produkte von tollen Menschen, die ihren Teil dazu beitragen unseren Planeten von Müll zu befreien und es unter anderem geschafft haben alte Autoreifen wieder sinnvoll zu verarbeiten. Dazu aber demnächst mehr. Die Message “Wiederverwertung von Materialien, den Planeten nicht weiter auszubeuten” stand ( leider nicht bei allen )bei vielen Brands stark im Fokus. Ich hoffe dass sich viele weitere dieser Message anschließen, denn vermutlich ( wenn es nicht schon zu spät dafür ist ) sind wir die letzte Generation die noch etwas am Erhalt unserer Erde ausrichten kann. Mal sehen ob ich im kommenden Jahr etwas mehr Zeit auf der Messe verbringen kann, es lohnt sich auf jeden Fall. Draussen sein ist cool !

In diesem Sinne #gooutandride

Mit Triboom hat Brooks heute seine neue Plattform vorgestellt. Diese soll dazu dienen die Brooks Community besser kennenzulernen, sich auszutauschen und ihr könnt daran teilhaben, wenn neue Produkte entstehen und an diesen auch mitwirken. Aktuell ist die Seite Inhaltlich noch recht spärlich bestückt, woran ihr aber ebenfalls mitwirken dürft. Wer fleißig interagiert kann Punkte sammeln und wird dafür von Brooks mit Give Aways belohnt. Also anmelden und mitmachen, es lohnt sich!

Interessant ist vielleicht auch das auf 5.000 Stück limitierte 150 Jahre Buch, welches noch dieses Jahr erscheinen wird und ab sofort vorbestellt werden kann. Wer besonders schnell ist und sich eines der ersten 150 Stück sichert bekommt zudem noch die Möglichkeit am letzten Kapitel des Buchs mit zu arbeiten. Ebenso werden die Namen der ersten 150 Vorbesteller in allen Büchern abgedruckt.

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Mit dem C13 hat Brooks auf der letztjährigen Eurobike erstmalig einen CambiumCarbon Sattel vorgestellt. Die C13 Serie wird vermutlich ab Herbst auf 6 Varianten ausgedehnt. Es wird den Sattel dann in 3 breiten und entweder durchgehend flach oder mit “cut out” geben. Da ich am vergangenen Wochenende bereits in den Genuss eines dieser Sättel kam, werde ich in der kommenden Woche mal meinen ersten Eindruck dazu schildern.

 

Text und Fotos von Nils

Schwarzwald Giro 2016

Sam und ich hatten in diesem Jahr das Glück zwei Startplätze für den Schwarzwald Giro zu ergattern. Wir hatten in den letzten Jahren schon gehört, dass der Giro vermutlich eine der geilsten Touren in Deutschland darstellt. Hier geht es nicht unbedingt darum, wer am schnellsten die Kilometer abreißt, sondern einfach zusammen mit anderen Gleichgesinnten, während des Fahrens die eindrucksvolle Natur zu genießen. Gefahren wird gemeinsam und wenn sich das Feld am Berg einmal auseinander zieht, warten oben am Gipfel die schnelleren Jungs mit den dicken Waden auf die weniger ambitionierten Genießertypen, wobei das Streckenprofil in diesem Jahr jedem einzelnen einiges abzuverlangen versprach. In diesem Jahr hatte sich Philipp ein besonders bergiges Streckenprofil überlegt. 5000 Höhenmeter auf gut 200 Kilometern standen auf dem Plan. Mehrere Tausender wie der Belchen, der Feldberg und der Schauinsland, ein 1284 Meter hoher Berg in der Nähe von Freiburg, sollten befahren werden.

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Da wir bei Viel- und Überallfahrer, Manuel vom Rapha Cycling Club (vielen Dank für die Gastfreundschaft), den wir auf der Dalsland Runt in Schweden kennen gelernt hatten, übernachten durften, hatten wir es am Samstag zum Treffpunkt in Freiburg am Biosk nicht weit. Von dort aus ging es dann gleich in Richtung Staufen im Breisgau, wo der ganze Tross bestehend aus gut 50 Fahrern sich gleich bekannt bzw. unbeliebt machte, weil die GPX-Route anscheinend direkt durch den touristischen Wochenmarkt in der Fußgängerzone gelegt worden war. Neben den meist kopfschüttelnden Passanten, gab es glücklicher Weise auch einige die sich über die Masse an schönen Rennrädern erfreuten. Da Staufen mit seinen pitoresken Fachwerkhäusern nicht besonders groß ist, waren wir zum Glück schnell wieder raus und „störten“ das samstagsmorgendliche Einkaufsvergnügen nicht weiter. Ansonsten lief eigentlich zunächst alles glatt an diesem ersten Tag. Die Berge kündigten sich mit ihren grünen Gipfeln in der Ferne an und endlich ging es in den ersten Anstieg, sodass es uns bei leicht bedeckter Wolkendecke schnell warm wurde. So ging es einige Zeit bis auf gut 900 Höhenmetern rauf und dann wieder runter bis auf 600 Höhenmetern. Für den ersten Gipfel war eine kleine Bergwertung angekündigt, die Eric Roelen, der fliegende Holländer, gleich für sich entschied. Danach ging es mehr oder weniger wellig bis zum höchsten Punkt auf dem Belchen, dem eigentlichen Höhepunkt der Etappe, den wir uns leider aufgrund des beginnenden Starkregens klemmen mussten. Oben auf 1100 Metern hatte es sich komplett eingeregnet und alle mussten sehr vorsichtig ins Tal rollen. Nicht nur meine Hände waren, im Tal angekommen, steif gefroren und es dauerte beinahe bis zum Ende der Fahrt bis sie wieder komplett durchblutet waren. Völlig durchnässt sparten wir uns daher die Pause in einem Gasthaus und fuhren lieber gleich bis zur Jugendherberge in St. Blasien durch, um schnellst möglich aus den nassen Sachen heraus zu kommen. Den Abend verbrachten alle Fahrer in der Jugendherberge und entspannten beim hiesigen Tannenzäpfle oder anderen mitgebrachten Biersorten.

 

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück auf die etwas schwerere Runde. Diesmal hielt das Wetter glücklicherweise, so dass wir bei nahezu perfekten Bedingungen mit viel Sonne unterwegs waren. Da wir von sehr weit oben starten konnten, begann die Etappe nach einem eher kurzen Anstieg gleich mit einer rund 20 Kilometer langen Abfahrt. Viele hatten auf der absolut epischen Abfahrt zum Teil Spitzengeschwindigkeiten von weiter über 80 km/h auf dem Tacho stehen und es war nicht leicht ohne Dauergrinsen im Gesicht die Fahrt durchzustehen. Beinahe im Tal angekommen passierte es dann. In einer Kurve war vom Straßenrand dicker Schotter auf die Straße getragen worden was Maxe Faschina aus Berlin als führendem Fahrer leider zum Verhängnis wurde. Zum Glück war er nach dem Sturz bei Bewusstsein, konnte sogar stehen, hatte sich aber beim Einschlag in die Leitplanke eine kapitale Platzwunde an der Schläfe und eine 12 cm klaffenden Fleischwunde am Hals zugezogen. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert, auch weil andere Fahrer gleich die Gefahrenzone gesichert hatten und die nachkommenden warnen konnten. Max wurde dann vom Begleitfahrzeug ins Krankenhaus gefahren und die anderen setzten ihre Fahrt nach einer längeren Pause fort. So weit wir wissen, geht es Max schon wieder ganz gut. An dieser Stelle möchten wir ihm auch nochmal ein Gute Besserung wünschen und dass er alsbald wieder auf den Hobel kommt! Den Rest der Abfahrt setzten die meisten aufgrund des Schreckens etwas vorsichtiger fort. Im Tal waren wir nach der 800 Meter tiefen Abfahrt auf 250 Meter angekommen. Von nun an ging es kleineren Abschnitten unterbrochen von kürzeren Abfahrten stetig bergauf. Irgendwann kündigte eine Straßenschild, auf welchem „Am Berg“ stand, das steilste Stück des Tages an. Zwar war das nur ein sehr kurzes Stück von ein paar hundert Metern, das aber so steil war, das die meisten vor dem Ende des Anstiegs absteigen mussten. Es war auf jeden Fall irgendwas zwischen 20 und 30 Prozent. In meinem Leben habe ich ehrlich gesagt noch keinen steileren Anstieg von dieser Qualität befahren. Nach einem Gravel-Part begann der längste Anstieg hoch auf den Schauinsland, der zweiten Bergwertung und dem Dach des Schwarzwald Giros 2016. Die meisten Fahrer waren wohl auf der letzten Rille unterwegs, quälten sich und fuhren im langsamen Tritt zum Teil auch im Zickzack den Berg hinauf. Häufiger wurden auch die kleinen Stichstraßen für kurze Pausen auf flachem Grund ausgenutzt. Zu guter Letzt fuhren wir dann doch noch im Grupetto bis zum höchsten Punkt auf den Gipfel des Schauinsland und das schwerste war geschafft. Noch eine megageile Abfahrt und es waren nur noch wenige Kilometer zum Start- und Zielpunkt dem Biosk in Freiburg, wo sich alle nach einer Apfelschorle auf den mehr oder weniger langen Heimweg machten.

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Der Schwarzwald Giro war auch aufgrund der hervorragenden Streckenplanung von Philipp ein echter Kracher in Tourenkalender von GoodTimesRoll. Ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Jahr wieder kommen werden, wenn es unsere Zeit zulässt. Das liegt nicht nur an der schönen Landschaft, sondern auch daran, dass der „Arschlochfaktor“ in der Gruppe gegen 0 tendierte. So haben es zumindest einige Fahrer nach der Tour beschrieben und auch wir konnten das feststellen. Auch der Unfall hatte wohl eher mit ganz viel Pech zu tun. Die bekannten Gefahrenstellen wurden im Vorfeld angesagt und man wusste in der Regel was einen erwartet. Ansonsten war die Asphaltqualität im Vergleich zum Ruhrgebiet top. Sehr geschätzt waren natürlich auch die organisierten Stopps, bei denen frischer Kaffee vom Biosk und vom Rapha-Mobil bereit gestellt wurden. Danke an alle Teilnehmer, Organisatoren und Supporter, die brennenden Muskeln waren diesen trip absolut wert!

 

Gibt es besseres Testgelände für das neue Rose Pro DX Cross als die schwedischen Offroad- und Gravelpisten der Dalsland Runt? Was genau ist die Dalsland Runt? Eine 3-Tages Rundfahrt durch die schwedischen Wälder mit einem fortwährendem Mix aus asphaltierten Straßen, Waldwegen mit lockerem, teils sehr groben Kies bedeckten Passagen und ordentlich Höhenmeter. Einen ausführlichen „Reisebericht“ mit ordentlich Fotos wird es Anfang der kommenden Woche geben! Jetzt aber zu dem worum es hier eigentlich geht, dem ROSE Pro DX Bike, welches mir die Firma ROSE dankbarer Weise für diesen Trip zur Verfügung gestellt hat.

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Schon beim Aufbau des Bikes steigt die Vorfreude. Rose hat dem Crosser ein absolut modernen Look verpasst. Matt schwarz, elegant, sportlich, dezent aggressiv. Ungefähr so würde ich den Look beschreiben. Dazu kommt eine von Grund auf solide Ausstattung. Das Rad ist mit Scheibenbremsen und der 105er Gruppe von Shimano aufgebaut dazu kommen Anbauteile von Ritchey, Fizik und Ergon. Des weiteren verfügt das Rahmenset über diverse Montagepunkte um ggf. Schutzbleche oder aber Gepäckträger Systeme zu montieren. Dazu sind wir bei dieser Ausfahrt leider noch nicht gekommen, was nicht ist kann aber ja bestimmt noch werden.

Die Ausfahrt beginnt Freitag Nachmittags mit einem 105km Prolog. Hierbei liegt der Gravel Anteil bei 20 – 25%. Obwohl das Bike nicht wirklich für die Straße ausgelegt ist und man den größeren Rollwiderstand der 33mm Gravel/Cross Reifen, verglichen zu 28mm Rennrad Reifen klar merkt, macht das Rad eine gute Figur. Den Rollwiderstand auf langen geraden macht das Rad vor allem Bergab wieder wet. Woran dies lag kann ich nicht erklären, aber eine erste Wohlfühlzone des Bikes war gefunden. Auch im Pulk alles kein Problem, die mechanische Scheibenbremsen ließen sich hervorragend dosieren und verzögerten gut.

Der zweite Tag ist ganz im Sinne des Rose Crossers. Mit einem Gravelanteil von 80 % auf knapp 170 km und 2000hm kann das Bike zeigen was in ihm steckt. An diesem Tag hätte ich mir eine etwas größere Abstufung der Kassette gewünscht, diese war mit 11-25 eindeutig zu klein gewählt. Auf den staubigen Waldpisten schluckt das Bike jede Erschütterung. Auch das Fizik Microtex Lenkerband tat seinen Dienst, so konnte ich den gesamten Tag ohne Handschuhe fahren. Kurz vor Schluss der Etappe kann das Rad nochmals beweisen wie gut seine Klettereigenschaften sind. Angesagt waren Steigungen von 8 – 10%, rund 600hm auf den letzten 25 km auf feinem Schotter. Dass man die 9 kg Fahrrad unter sich kaum spürt macht sich an diesem Abschnitt vor allem durch das immer mal wieder durchdrehende Hinterrad bemerkbar. Oben angekommen wechselte der feine Kies in richtig groben Schotter für eine 400 Meter lange Abfahrt. 55 km/h Bergab auf Kies/Schotter, dazwischen Regenrillen und Schlaglöcher, alles überhaupt kein Problem, das Bike hatte eine weitere Wohlfühlzone gefunden und in gefühlt bester Freeride Manier ging es dem Ziel entgegen.

Vor der letzen Tour an Tag 3 regnet es Hunde. Sämtliche Wege sind aufgeweicht  und rutschig. Dank der breiten, griffigen Schwalbe Racing Ralph Eva PSC Reifen und der Scheibenbremsen ist aber weiterhin alles unter Kontrolle. Gefahren wird der Prolog Tag, dieses mal logischer Weise rückwärts. Nach weiteren 105 Km im kalten Regen Schwedens, Mensch und Maschine ordentlich vollgesaut, endet das Wochenende mit dem Rose Crosser leider bereits. Sofern wir die Möglichkeit haben, werden wir das Bike mal mit Taschen etc ausstatten und uns auf ein Bike Packing Abenteuer damit begeben, ob es dann wieder Schweden und seine endlosen Gravel Roads wird, bleibt allerdings abzuwarten.

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Fazit: Auf rund 380 km mit fast 4000hm hat das Bike zu jeder Zeit überzeugt. Die 105er Gruppe funktionierte zu 100% perfekt. Die Auswahl der Anbauteile erschien durchweg Sinnvoll, lediglich der verbaute Ergon Sattel war für mein Hinterteil zu breit geraten.

Keine Spur von Platten oder anderen Defekten, was bei dieser Tour beinahe schon ein Novum war. Ergonomie und Handling punkten vor allem in den ruppigen Bergab Passagen.

Das Rose DX ist Dalsland Proved!

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