Good Times Roll

Für uns hieß es am letzten Wochenende wieder einmal Aufbruch in Richtung Süddeutschland. Die wegen der begonnenen Herbstferien ewig dauernde Autofahrt hatte sich definitiv gelohnt. Erst zu später Stunde bei unseren Gastgebern in der Pfalz angekommen wurden wir mit dem besten Chilli Con Carne der Welt verköstigt und begaben uns nach dem ein oder anderen Hopfengetränk auch alsbald ins Bett. Da wir von dort noch weitere zwei Stunden Anfahrt vor uns hatten, brachen wir sehr früh am Samstag auf. Austragungsort für den diesjährigen VOTEC Gravel Fondo war der mitten im Schwarzwald gelegene Reinertonishof in Schönwald. Neben den verschiedenen Eventpartnern hatte sich auch ein Barista auf dem Hof stationiert und bot allen Teilnehmern einen morgendlichen Kaffee vor der Abfahrt. Der Startschuss des Hauptevents der VOTEC Gravel Fondo Serie fiel um kurz nach 10:00 Uhr. Es bestand die Möglichkeit eine 56 Kilometer lange Route mit ca. 1600 Höhenmetern oder eine etwa 85 Kilometer und mit 2400 Höhenmetern gespickte Route zu wählen. Auf der Route lagen drei Stravasegmente, welche als kleine Herausforderungen am Ende prämiert werden sollten, und drei Verpflegungspunkte.

Am Startpunkt trafen wir unter den insgesamt ca. 200 Teilnehmern auch viele bekannte Gesichter und so kam es, dass sich unsere Gruppe um ein paar Personen vergrößerte. Votec hatte einige Testräder bereit gestellt, sodass auch Gravelneulinge die Möglichkeit bekamen, beim Gravel Fondo mitzumachen. Da sich die beiden Strecken erst nach der ersten Verpflegungsstation aufteilen würden, entschieden wir ohne lange zu überlegen, welche Route für den Einzelnen die passendere wäre, erst einmal los zu rollen. In der ersten, verhältnismäßig steinigen Abfahrt waren verblüffend viele Teilnehmer mit Reifenproblemen zu beobachten. Vermutlich hatten viele die Notwendigkeit eines erhöhten Reifendrucks übersehen oder an diesem Tag einfach Pech.

Der Anstieg zum Kandel

Nach der ersten Verpflegung kam dann der Anstieg zum insgesamt 1200 Meter hohen Kandel. Wie vorher angekündigt „die Tagesaufgabe“. Insgesamt galt es 867 Höhenmeter zu überwinden. Es begann mit einer annähernd senkrechten Wand und einer maximalen Steigung annähernd 27 Prozent, an welcher die meisten schieben mussten oder einfach seitlich umfielen. Einige Kurbelumdrehungen später wurde es dann auch direkt noch schwerer. Der Untergrund wechselte zwischen Schotter, ausgewaschenen Wegen oder einem Treibsand-Kiesel-Gemisch, was die Auffahrt besonders schwierig und anstrengend machte. Der dreizehn Kilometer lange Anstieg dauerte bei der schnellsten Fahrerin respektable 1:16 Stunden, der schnellste Fahrer war in knapp 60 Minuten oben. Die meisten Teilnehmenden waren mindestens 1,5 Stunden damit beschäftigt, nur nicht aufzugeben. Das zweite gewertete Segment lag zu allem Übel auf den letzten zwei Kilometern dieses eh schon fiesen Anstiegs.

Oben war dann zum Glück eine Verpflegungsstation und alle Fahrer gönnten sich die wohlverdiente Pause. Die Abfahrt vom Kandel ins Tal bot für alle die perfekte Entschädigung zum erschöpfenden Anstieg. An diesem durchweg trockenen und sonnigen Oktobertag brachen sich die Sonnenstrahlen im Blätterdach des Laubwaldes und erzeugten in Verbindung mit den Staubwolken der Gravelbikes ein nahezu magisches Lichtspiel. Auch hier waren immer noch viele Plattfüße zu beobachten, von denen unsere Gruppe zum Glück fast verschont blieb.

Auch der zweite große Anstieg an diesem Tag tat zu Beginn nochmal richtig weh, war aber im Vergleich zum ersten zu unserem Glück nicht ganz so lang. Allerdings verließ Chris hier das Glück und er musste einen Plattfuß beheben.

An der dritten und damit letzten Verpflegung angekommen hieß es dann: „Nur noch ein kleiner Hügel, viel ist’s nicht mehr, dass schafft ihr schon noch.“ Doch auch die letzten fünfzehn Kilometer boten technisch anspruchsvolle Anstiege und wurzelige Waldpassagen, aber auch wieder atemberaubende Schwarzwaldpanoramen in der untergehenden Sonne. Kräftemäßig hat die Route uns einiges abverlangt, sodass wir uns über das bevorstehende Essen doppelt freuten. Aufgetischt wurde von Kürbissuppe und Salatvorspeisen, verschiedenen Dips aus Roter Bete und Kichererbsen bis hin zu Pulled Pork, gegrilltem Gemüse, Lamm und vieles mehr.

Sonntag konnten alle, die noch nicht genug vom Graveln hatten, die Möglichkeit eine sechzig Kilometer oder optional eine vierzig Kilometer lange Tour zu fahren. Es gab Croissants und Kaffee und wieder die Möglichkeit Räder zu testen. Alles in allem war das 3. Votec Gravel Fondo wieder ein gelungenes Event, das neben einer zwar ambitionierten, aber perfekt durchdachten Gravelroute auch wieder eine reichhaltige und abwechslungsreiche Verköstigung anbot. Die gute Organisation und das sonnige Wetter trugen dazu bei, dass der Tag nur glückliche Gesichter hinterließ.

4 Freunde, Highend Rennräder, stylische Klamotten, den eigenen Schweinehund ab und an überwinden. Alles machbar auf einem Trip über 900km von Tromsø bis an die Russische Grenze. Mehr braucht es nicht für richtige Roadbike Abenteuer!

Als kleiner Appetizer zum großen Votec Gravelfondo Event im Schwarzwald, durften wir erstmals auch einen pre Event veranstalten. Mit dem Berger Hof hatten wir dafür die ideale Start/Ziel Location gefunden, egal was das Wetter bringen würde. Alex von Votec hatte einige Testräder im Gepäck die in kürzester Zeit ausgebucht waren, das Berger Hof Team hatte morgens für alle Kaffee angeboten und das Wetter spielte ebenfalls mit. Top Voraussetzungen also die rund 55 km und 1300 Höhenmeter in angriff zu nehmen. 65 Starter/innen sind dann voller Vorfreude auf die Strecke gegangen. Die ersten 15km waren locker, flowing und konnten einen dazu verleiten schon ein bischen zu viel Pulver zu verschießen zb an den dann folgenden Anstiegen rund um die Schulenburg in Hattingen. Nach ca der Hälfte hatte meine Freundin und mein Sohn dann einen Verpflegungs Stop eingerichtet an welchem man (sofern schon notwendig) seine Flaschen auffüllen oder feinste gezuckerte Belgische Waffeln oder aber die von Chimpanzee gesponserten Gels und Energy Drops nutzen konnte um die Batterien wieder ein wenig aufzufüllen. Die zweite Hälfte der Runde war die deutlich anspruchsvollere und beinhaltete viele Singletrails und aber auch einen Großteil der zu bewältigenden Höhenmeter. Am Ende sind alle Fahrer/innen mehr oder weniger geschafft ins Ziel gekommen und durften die Route bei Kaffee und Kuchen revue passieren lassen. Vielen Dank für das  Feedback zur Strecke. Tausend dank an alle die mitgeholfen haben und an alle die den Weg zum Berger Hof gefunden hatten. Stay tuned für eine Wiederholung in 2019 !