Good Times Roll

Text und Fotos von Nils

Schwarzwald Giro 2016

Sam und ich hatten in diesem Jahr das Glück zwei Startplätze für den Schwarzwald Giro zu ergattern. Wir hatten in den letzten Jahren schon gehört, dass der Giro vermutlich eine der geilsten Touren in Deutschland darstellt. Hier geht es nicht unbedingt darum, wer am schnellsten die Kilometer abreißt, sondern einfach zusammen mit anderen Gleichgesinnten, während des Fahrens die eindrucksvolle Natur zu genießen. Gefahren wird gemeinsam und wenn sich das Feld am Berg einmal auseinander zieht, warten oben am Gipfel die schnelleren Jungs mit den dicken Waden auf die weniger ambitionierten Genießertypen, wobei das Streckenprofil in diesem Jahr jedem einzelnen einiges abzuverlangen versprach. In diesem Jahr hatte sich Philipp ein besonders bergiges Streckenprofil überlegt. 5000 Höhenmeter auf gut 200 Kilometern standen auf dem Plan. Mehrere Tausender wie der Belchen, der Feldberg und der Schauinsland, ein 1284 Meter hoher Berg in der Nähe von Freiburg, sollten befahren werden.

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Da wir bei Viel- und Überallfahrer, Manuel vom Rapha Cycling Club (vielen Dank für die Gastfreundschaft), den wir auf der Dalsland Runt in Schweden kennen gelernt hatten, übernachten durften, hatten wir es am Samstag zum Treffpunkt in Freiburg am Biosk nicht weit. Von dort aus ging es dann gleich in Richtung Staufen im Breisgau, wo der ganze Tross bestehend aus gut 50 Fahrern sich gleich bekannt bzw. unbeliebt machte, weil die GPX-Route anscheinend direkt durch den touristischen Wochenmarkt in der Fußgängerzone gelegt worden war. Neben den meist kopfschüttelnden Passanten, gab es glücklicher Weise auch einige die sich über die Masse an schönen Rennrädern erfreuten. Da Staufen mit seinen pitoresken Fachwerkhäusern nicht besonders groß ist, waren wir zum Glück schnell wieder raus und „störten“ das samstagsmorgendliche Einkaufsvergnügen nicht weiter. Ansonsten lief eigentlich zunächst alles glatt an diesem ersten Tag. Die Berge kündigten sich mit ihren grünen Gipfeln in der Ferne an und endlich ging es in den ersten Anstieg, sodass es uns bei leicht bedeckter Wolkendecke schnell warm wurde. So ging es einige Zeit bis auf gut 900 Höhenmetern rauf und dann wieder runter bis auf 600 Höhenmetern. Für den ersten Gipfel war eine kleine Bergwertung angekündigt, die Eric Roelen, der fliegende Holländer, gleich für sich entschied. Danach ging es mehr oder weniger wellig bis zum höchsten Punkt auf dem Belchen, dem eigentlichen Höhepunkt der Etappe, den wir uns leider aufgrund des beginnenden Starkregens klemmen mussten. Oben auf 1100 Metern hatte es sich komplett eingeregnet und alle mussten sehr vorsichtig ins Tal rollen. Nicht nur meine Hände waren, im Tal angekommen, steif gefroren und es dauerte beinahe bis zum Ende der Fahrt bis sie wieder komplett durchblutet waren. Völlig durchnässt sparten wir uns daher die Pause in einem Gasthaus und fuhren lieber gleich bis zur Jugendherberge in St. Blasien durch, um schnellst möglich aus den nassen Sachen heraus zu kommen. Den Abend verbrachten alle Fahrer in der Jugendherberge und entspannten beim hiesigen Tannenzäpfle oder anderen mitgebrachten Biersorten.

 

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück auf die etwas schwerere Runde. Diesmal hielt das Wetter glücklicherweise, so dass wir bei nahezu perfekten Bedingungen mit viel Sonne unterwegs waren. Da wir von sehr weit oben starten konnten, begann die Etappe nach einem eher kurzen Anstieg gleich mit einer rund 20 Kilometer langen Abfahrt. Viele hatten auf der absolut epischen Abfahrt zum Teil Spitzengeschwindigkeiten von weiter über 80 km/h auf dem Tacho stehen und es war nicht leicht ohne Dauergrinsen im Gesicht die Fahrt durchzustehen. Beinahe im Tal angekommen passierte es dann. In einer Kurve war vom Straßenrand dicker Schotter auf die Straße getragen worden was Maxe Faschina aus Berlin als führendem Fahrer leider zum Verhängnis wurde. Zum Glück war er nach dem Sturz bei Bewusstsein, konnte sogar stehen, hatte sich aber beim Einschlag in die Leitplanke eine kapitale Platzwunde an der Schläfe und eine 12 cm klaffenden Fleischwunde am Hals zugezogen. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert, auch weil andere Fahrer gleich die Gefahrenzone gesichert hatten und die nachkommenden warnen konnten. Max wurde dann vom Begleitfahrzeug ins Krankenhaus gefahren und die anderen setzten ihre Fahrt nach einer längeren Pause fort. So weit wir wissen, geht es Max schon wieder ganz gut. An dieser Stelle möchten wir ihm auch nochmal ein Gute Besserung wünschen und dass er alsbald wieder auf den Hobel kommt! Den Rest der Abfahrt setzten die meisten aufgrund des Schreckens etwas vorsichtiger fort. Im Tal waren wir nach der 800 Meter tiefen Abfahrt auf 250 Meter angekommen. Von nun an ging es kleineren Abschnitten unterbrochen von kürzeren Abfahrten stetig bergauf. Irgendwann kündigte eine Straßenschild, auf welchem „Am Berg“ stand, das steilste Stück des Tages an. Zwar war das nur ein sehr kurzes Stück von ein paar hundert Metern, das aber so steil war, das die meisten vor dem Ende des Anstiegs absteigen mussten. Es war auf jeden Fall irgendwas zwischen 20 und 30 Prozent. In meinem Leben habe ich ehrlich gesagt noch keinen steileren Anstieg von dieser Qualität befahren. Nach einem Gravel-Part begann der längste Anstieg hoch auf den Schauinsland, der zweiten Bergwertung und dem Dach des Schwarzwald Giros 2016. Die meisten Fahrer waren wohl auf der letzten Rille unterwegs, quälten sich und fuhren im langsamen Tritt zum Teil auch im Zickzack den Berg hinauf. Häufiger wurden auch die kleinen Stichstraßen für kurze Pausen auf flachem Grund ausgenutzt. Zu guter Letzt fuhren wir dann doch noch im Grupetto bis zum höchsten Punkt auf den Gipfel des Schauinsland und das schwerste war geschafft. Noch eine megageile Abfahrt und es waren nur noch wenige Kilometer zum Start- und Zielpunkt dem Biosk in Freiburg, wo sich alle nach einer Apfelschorle auf den mehr oder weniger langen Heimweg machten.

Bildschirmfoto 2016-07-04 um 19.30.00

Der Schwarzwald Giro war auch aufgrund der hervorragenden Streckenplanung von Philipp ein echter Kracher in Tourenkalender von GoodTimesRoll. Ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Jahr wieder kommen werden, wenn es unsere Zeit zulässt. Das liegt nicht nur an der schönen Landschaft, sondern auch daran, dass der „Arschlochfaktor“ in der Gruppe gegen 0 tendierte. So haben es zumindest einige Fahrer nach der Tour beschrieben und auch wir konnten das feststellen. Auch der Unfall hatte wohl eher mit ganz viel Pech zu tun. Die bekannten Gefahrenstellen wurden im Vorfeld angesagt und man wusste in der Regel was einen erwartet. Ansonsten war die Asphaltqualität im Vergleich zum Ruhrgebiet top. Sehr geschätzt waren natürlich auch die organisierten Stopps, bei denen frischer Kaffee vom Biosk und vom Rapha-Mobil bereit gestellt wurden. Danke an alle Teilnehmer, Organisatoren und Supporter, die brennenden Muskeln waren diesen trip absolut wert!

 

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